Warm um’s Herz

Es ist kälter als erwartet. Nichts mit den versprochenen 18 Grad meines Wetter-Apps, keine Sonne und dazu noch eine Bise. Die Wetterfrösche sind auch nicht mehr, was sie mal waren, technologischer Fortschritt hin oder her. Ich bin allein im Einsatz und laufe ein bisschen hin und her, um in Bewegung zu bleiben, als G. auf mich zukommt. Es geht ihm offensichtlich nicht gut. Obwohl auch die Nächte noch ungewöhnlich warm sind für diese Jahreszeit, ist es ungemütlich geworden, draussen zu schlafen. Aber die Kälte sei gar nicht mal so das Problem, wie er mir erklärt, während er ausführlich von seiner Nacht an der Freie Strasse berichtet.„Und wie geht`s dir?“, fragt er nach einer Weile. Ich lache, weil ich mich selbst ein bisschen wehleidig finde und erzähle ihm, dass ich mich zu sehr auf den Wetterbericht verlassen und deshalb zu wenig angezogen habe. Er schaut mich an, läuft ein paar Schritte weg, dreht sich wieder um. Dann zieht er seine wattierte Jacke aus, hält sie mir hin und sagt: „Also, zieh doch die eine Weile an. Das kann ja nicht sein, dass du hier frierst!“ Ich ziere mich, aber er lässt sich nicht umstimmen. Ihm sei warm genug. Also hülle ich mich in diese grosse Männerjacke, rot-schwarz-kariert. Mir wird schnell warm – unter der Jacke, aber vor allem um`s Herz.

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